Ahmed M. (23), Flüchtling aus Palästina, vor dem Asylbewerberheim im Hauzenberg. Nach einer Woche Hungerstreik hat er angeblich zehn Kilo verloren. Nun liegt er nach einem Selbsttötungsversuch in einer psychiatrischen Klinik. (Photo: mediendenk).
HUNGERSTREIK IN HAUZENBERG
Asylbewerber (23) nach Suizidversuch in Klinik
Hauzenberg /Breitenberg - Haben die Flüchtlinge in den niederbayerischen Asylbewerberheimen ein Recht auf ein besseres Leben? Seit zwei Wochen befinden sie sich im Hungerstreik (Bürgerblick berichtete). Eine Reportage der Süddeutschen Zeitung mit dem Titel "Hungerstreik light" wird von der Wirklichkeit überholt: Ein 23-jähriger Bewohner aus dem Jordanland hat sich heute Abend mit Messer und Rasierklingen selbst verstümmelt – ein verzweifelter Hilferuf.
„Vielleicht ist es für mich besser zu sterben, damit man auf die Verletzung der Menschenrechte aufmerksam wird“, übersetzte ein Dolmetscher beim Interview sinngemäss die Worte des jungen Palästinensers.
Drei Tage vorher hatte er seine Situation dem Lokalmagazin Bürgerblick geschildert.
Der Hungerstreikende wirkte nach Auskunft seiner Mitbewohner seit Tagen ziemlich niedergedrückt. Er klagte über das Unrecht: Sein Freund und Landsmann sei in einer Unterkunft in Lindau am Bodensee untergebracht, habe eine Arbeit und mehr Freiheit. Er fühle sich in dem niederbayerischen Städtchen isoliert.
Der Arzt, der ihn heute Abend untersuchte, empfahl im dringend, Wasser zu trinken und Medikamente einzunehmen. Der hoffnungslose junge Mann verweigerte beides. Seinen hohen Blutdruck bewertete der Mediziner als Anzeichen für emotionalen Stress.
Während der Arzt sich um andere Patienten des Hungerstreiks kümmerte, schloss sich der 23-jährige im Badezimmer ein. „Als ich die Tür aufbrach, war alles voll Blut“, schildert ein Augenzeuge.
Mit schweren Schnittverletzungen wurde der Lebensmüde ins Krankenhaus eingeliefert. Er darbte seit etwa zwei Jahren in der Hauzenberger Gemeinschaftsunterkunft für Asylbewerber.Er teilt sich ein kleines Zimmer mit drei Männern.
Er wurde nach der ärtlichen Behandlung in eine psychiatrische Klinik überwiesen.
Organisationen, die sich für die Rechte der Flüchtlinge einsetzen (Bayerischer Flüchtlingsrat und Karawane München) werden aktiv. Auch immer mehr Politiker. Der Bundestagsabgeordnete und bayerische Sprecher der Linken, Klaus Ernst, hat sich heute zum Beispiel mit einer Solidaritätsserklärung an die Asylbewerber gewandt: "Ich kann Ihre Forderungen nach einer Arbeitserlaubnis, Bewegungsfreiheit und Bargeld statt Essenspaketen voll und ganz nachvollziehen". FDP-Staatsekretär Max Stadler weist in einem Schreiben an Bürgerblick darauf hin, dass laut dem aktuellen Koalitionsvertrag den Asylbewerbern mehr Bewegungsfreiheit eingeräumt werde: "...eine hinreichende Mobilität insbesondere im Hinblick auf eine zugelassene Arbeitsaufnahme..", heißt es dort wörtlich.