Hauzenberg/ Passau/ München – Über dem zehnjährigen Jubiläums-Pfingst-Open-Air in Hauzenberg schwebte das Damoklesschwert von Umweltminister Markus Söder: Seine Behörde hat das niederbayerische Kultfestival wegen Lärmverschmutzung für nicht genehmigungsfähig eingestuft. Dabei haben die meisten Hauzenberger das jährliche Sommerspektakel längst als kulturelles Markenzeichen ihrer Stadt anerkannt.
Nachdem eine Unterschriftenaktion durch die Veranstalter angelaufen war und der öffentliche Druck immer größer wurde, trafen sich die wichtigsten politischen Vertreter zu einem Krisengespräch und revidierten die Entscheidung des Umweltministeriums: Das Open-Air darf als "seltenes Ereignis" weiterhin stattfinden.
Das niederbayerische Woodstock wurde als „seltenes Ereignis“ selbst von den Stadtvätern befürwortet. 3.000 Hauzenberger unterschrieben für den Erhalt des Festivals. Beinahe wäre alles vergeblich gewesen.
Die Konsequenz der Lärmmessung der Umweltbehörde: Die Behörde von Minister Söder untersagte am 25. September eine weitere Durchführung. Lähmendes Entsetzen bei den Fans. Es könne nicht - wie beispielsweise ein Papstbesuch - als "seltenes Ereignis" eingestuft werden,.
Die Veranstalter mobilisiertn nun alle Kräfte und sammeln Unterschriften für ein Protestschreiben. Sie hatten sich selbst eine Frist bis 31. Januar gesetzt. Denn man benötigt „Planungssicherheit“, die Verträge mit den Bands stehen an.
Die historische Parallele wäre erschreckend gewesen: Das 1980 in Passau geborene Pfingst-Open-Air schaffte sein Jubiläum (20 Jahre) auch nicht. Wegen des Unmuts der konservativen Bevölkerung, der Auflagen der Stadt und des immer härteren Durchgreifens der Polizei war nach der Veranstaltung von 1998 auf dem Thingplatz hoch über Passau Schluss.
In der Blütezeit zog das Open-Air in der Dreiflüssestadt mehr als 10.000 Besucher an. Unten in der Stadt bebten mit den Bässen die Fensterscheiben und irgendwann stürzte ein Festivalbesucher im Rausch von einer Mauer in den Tod. Die Schlagzeilen wurden immer schlimmer, die Heimatzeitung empörte sich auch über die "spärlich bekleideten Mädchen" und CSU-Abgeordneter Konrad Kobler betitelte die Zuschauer als "Vandalen".
POA 2009/ SofaTV
Nach zwei Jahren Pause begann 2001 am Standort in Hauzenberg ein Neuanfang.
Auch Grünen-Landtagsabgeordneter Eike Hallitzky versucht Umweltminister Markus Söder zum Umdenken zu Bewegen: „Meine Söhne lieben „Rock im Park“, schrieb er. "Dass es laut ist, wissen wir beide.“