Mittwoch, 19. Dezember 2018
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Uni-Präsident Professor Walter Schweitzer wirft einen letzten Blick in sein Manuskript. Etwas hastig, aber punktgenau, hat er für die Forderungen der Studenten Lösungen formuliert. Manche werden sich erst in einem Zeitraum von zwei Jahren umsetzen lassen.
Audimax-Besetzung aufgehoben

Mit Bildungsstreik etwas bewegt

Passau – Nach dem Auftritt des Uni-Präsidenten haben sich die streikenden Studenten entschlossen, das Audimax zu räumen.  Die Uni-Leitung hat in fast allen Punkten Kooperation und Unterstützung versprochen. Vor allem die Anwesenheitspflicht soll gelockert und der Hochschulrat mit einem zweiten Studenten besetzt werden.

Ob der Bildungsstreik bis zur Jubiläumsveranstaltung eines Kinderklinik-Betreibers, der das Audimax am Nachmittag gemietet hat, beendet werden kann, war zunächst unklar. Unipräsident Dr. Walter Schweitzer war der Termin ("Sie profitieren alle von den Mieteinnahmen") offensichtlich so wichtig, dass er diesen Zeitpunkt als unverrückbare Vorgabe sah. Nachdem er sein Wort gehalten habe, erwarte er nun auch von der anderen Seite Fairness, wurde er zum Schluss seiner Ausführungen im Ton etwas härter.

Vor den Augen der versammelten Studenten im vollbesetzten Audimax unterschrieb er einen offenen Brief, welchen er dem bayerischen Wissenschaftsminister senden will. Er folgt inhaltlich dem Forderungskatalog, der von den Streikenden erarbeitet worden war. "Ich sehe manche Dinge sehr kritisch", sagte er. Und an die Besetzer des Audimax gerichtet meinte er: "Ich habe diese Nacht auch schlecht geschlafen".

Das war zuvor passiert: Der Uni-Dekan Dr. Franz Lehner trat unter großem Applaus ans Rednerpult und empfahl, sich im weiteren Vorgehen mit den Streikenden in anderen bayerischen Unis zu koordinieren und im Internet auszutauschen. Gegen 14 Uhr ist eine Liveschaltung zur Uni Bamberg geplant.

Gesittet und konzentriert wie bei einer Bundestagsdebatte verliefen am Vormittag Abstimmungen über den Inhalt eines Forderungskatalogs, der für die Landesregierung formuliert wurde. Die Stellschrauben der Reform (Bachelor, Master) sollen neu justiert, die Studiengebühren sozialer gestaltet und die in den 70er Jahren in Bayern abgeschaffte Studierendenschaft wieder eingeführt werden. "Die Gründe von damals würden heute nicht mehr zählen", sagte der studentische Senator David Hartmann (Video). Die Politik befürchtete vor 30 Jahren, dass über diese finanziell gut ausgestattete unabhängige studentische Organisation Terroristen unterstützt werden könnten.  

Die Veranstaltung wurde immer wieder unterbrochen vom Applaus für Solidaritätsaktionen: Ein Professor spendete in die Streikkasse, ein Grünen-Stadtrat brachte einen Obstkorb vorbei und ein Pizzabäcker sorgte für Mittagessen.

Die erste Überraschung gab es schon gegen 8 Uhr früh. „Wir sehen uns morgen wieder um 18 Uhr“, mit diesen Worten hatte ein Jura-Professor die Vorlesung für seine Erstsemester-Studenten im Audimax abgesagt und den Raum weiterhin den jungen Rebellen überlassen. Eine kleine Gruppe der Streikenden hatte im Hörsaal genächtigt.

An Brücken, Fenstern und Geländer verkünden Transparente und Plakate die Fortsetzung des Bildungsstreiks. Jeder ist eingeladen zu "Kuchen und Kritik".

„In Niedersachsen haben die Proteste schon Reaktionen gezeigt; es wird Reformen geben“, verkündet der Nachrichtensprecher des Bayerischen Rundfunks in den Acht-Uhr-Nachrichten. Ein Motivationsschub für die streikenden Studenten in Bayern?

Solidarität sei offenbar eine Frage des Geldbeutels, heißt es in einem Kommentar der „Passauer Neue Presse“. Das Gros der Passauer Studenten, darunter viele aus gutem Hause, zeigen sich nicht unbedingt begeistert von den Protestaktionen. „Haben wir hier nicht das Hausrecht?“, empört sich ein Sprecher der Jurastudenten beim Professor.

Während der morgendlichen Streikdebatte stürmte ein einzelner Student wütend ans Mikrophon und rief "Bildung für alle? Ich möchte hier eine Vorlesung!" Er erntete Pfiffe. Ein älterer Student, der noch dem alten Diplomstudiengang angehört, war dagegen begeistert: "Ich hätte mir gewünscht, dass es zu meiner Zeit solche Studenten wie Euch gegeben hätte".


Video der Campus-Crew

 
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