Mittwoch, 22. Mai 2019
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Bayern >> Sonntag, 19. Juli 09

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Durch diese Schlagzeile wurde das "Big Ben" bundesweit bekannt. Heute früh wurde ein Brandanschlag auf das Lokal verübt und in wenigen Tagen bringt eine Medienklage die Oralsex-Affäre erneut vor Gericht. (Photos: mediendenk)
Einsätze für Sittenwächter und Feuerwehr

„Big Ben“, der heißeste Laden in Passau

Passau – Manche Örtlichkeiten sind lebenslänglich mit kleinen Geschichten verbunden, die gerne erzählt werden. Im ehemaligen Posthaus in der Theresienstraße zum Beispiel soll Kaiser Napoleon bei seinem Besuch hartgekochte Eier verspeist haben. Im Cafe Kowalski am Inn, als es noch eine Herberge war, stieg der kleine Mozart ab. Was seine Lieblinsgspeise war, wissen wir nicht. Weil sein Vater knapp bei Kasse war, hätte er sich auf der Tageskarte von heute wahrscheinlich auf die allabendliche Schnitzel-Happy-Hour gefreut. Die großen, panierte Fladen zum kleinen Preis.

Ein breites Grinsen anderer Art bekommen die Passauer, wenn das Pilspub „Big Ben“ in der Roßtränke erwähnt wird. Die Feuerwehrleute, die heute früh um 4 Uhr dorthin zu einem Einsatz mussten, erfasste es sicher auch. Ein Feuer im „Big Ben“! Was ist denn da wieder Heißes gelaufen?

Der Name dieser Nachtbar ist seit zwei Jahren verknüpft mit einem schlüpfrigen Vergnügen, um das schüchterne Naturen einen Mann beneiden, der ehemals zu den einflussreichsten Stadtmanagern zählte. Der ließ sich in diesem Lokal, so ist nach einem Prozess wegen „Erregung öffenlichen Ärgernisses“ aktenkundig, von einer 15 Jahre jüngeren Mitarbeiterin zu vorgerückter Stunde ungeniert verwöhnen. Das volle Weißbier stand vor ihm und der Kopf seiner Begleiterin ging, wie eine junge Zeugin damals am Amtsgericht errötend berichtete, im Schoß „auf und ab“.

Seitdem geht es in dieser zuvor nur einer kleinen Gruppe von Einheimischen bekannten Bar recht belebt zu. Die „Blow-Job-Affäre“, die durch den gesamten deutschen Blätterwald rauschte, brachte den kleinen Laden auch beim nachtaktiven studentischen Publikum in Mode und wird augenzwinkernd zum Tipp für einen letzten Absacker. „Auf welchem Platz saßen sie denn?“, wollen neue Gäste noch heute gerne wissen und blicken sich um in der Einrichtung aus Mahagoniholz, Messing und Plüsch (es geschah übrigens nicht auf einem der bequemen Barhocker, sondern in der kleinen Sitznische am Tresen direkt gegenüber dem Zapfhahn).

Das Publikum ist dank Presse jetzt bizarr gemischt. Am Tresen trinken sich noch immer grauhaarige Herren mit Pils und Obstler in den Schlaf und in den Plüschecken lümmeln beim Prosecco junge Pärchen. Wenn es hoch her geht, wird auf dem schmalen Gang zu alten Schlagern getanzt.

Brandanschlag auf "Big Ben"

Richtig heiß ging es allerdings an diesem Sonntag in den Morgenstunden her, als die Gäste schon alle verschwunden waren. „Beim „Big Ben“ brennt es!“, alarmierten Anrufer gegen 4 Uhr früh Polizei und Feuerwehr. Die Flammen züngelten vom Reklameschild über der Eingangstür hinauf zu den Fenstern im ersten Stock. Der brennende Fetzen, der am Blechschild hing, verursachte beißenden Rauch und erschreckte die Bewohner in den oberen Stockwerken ebenso wie die Kellnerin, die nach der Sperrstunde noch mit Aufräumarbeiten beschäftigt war. Für alle Fälle rückte neben dem Löschfahrzeug auch das große Drehleiterfahrzeug aus der Innstadt an.

Der Reporter, der kurz darauf eintraf, fand am Schauplatz die völlig aufgelöste Bedienung, eine kleine blonde Frau jenseits der 40, vor. „Ein Passant hat mich alarmiert. Da bin gleich mit dem Feuerlöscher hinausgerannt“, erzählt sie. Wie feiner Schnee hat der Löschschaum im weiten Umkreis Gehsteig und Straßenpflaster überzogen. Es ist das Werk des aufmerksamen Passanten, welcher der verängstigten Angestellten den Löscheinsatz abgenommen hat.

Für die Feuerwehr gab es fast nichts mehr zu tun. Ein Polizeibeamter begutachtete mit der Taschenlampe den Fetzen, der vom Reklameschild zu Boden gefallen war: Verkohlte Reste einer grauen Herrenjacke mit Bündchen an den Ärmeln zeugen von dem ungewöhnlichen Anschlag. Ob das Kleidungsstück mit Brandbeschleuniger getränkt war, ob verärgerte Anwohner oder übermütige Nachtschwärmer es auf die Reklametafel geschleudert haben, das wird sich ohne Zeugenhinweise kaum klären lassen. „Die teilweise verbrannte Jacke läßt keinen Rückschluß auf den Täter zu“, heißt es im ersten Bericht.

"Oralsex-Affäre" erneut vor Gericht

Das „Big Ben“ ist seit dem Sündenfall des Stadtmanagers unstrittig ein heißer Laden. Gestern beschäftigte es die Sittenwächter, heute die Feuerwehr und morgen wieder die Justiz: Anfang August tritt der Casanova, der dem Passauer Pilspub zum bundesweiten Ruhm verhalf, vor dem Landegericht auf. Er hat das Stadtmagazin Bürgerblick im Zusammenhang mit der Berichterstattung über die Oralsex-Affäre und ihre Folgen wegen Rufschädigung verklagt.

Der Reporter, der zum Feuerwehreinsatz am Sonntagmorgen eilte, ist der Beklagte. „Der Brandanschlag wird doch nicht mit der alten Geschichte zu tun haben?“, schoß es ihm am Einsatzort durch den Kopf. Der damalige Kellner, der den Vorfall ausplauderte und zum Liebling der Medien wurde, stand schwer unter Beschuß.

Als das Amtsgericht die pikante Affäre verhandelte, konnte der stadtbekannte Manager seinen Anwalt vorschicken und sich den Presserummel ersparen. Diesmal, so steht es in der Ladung, hat das Gericht  "persönliches Erscheinen" angeordnet.

Die Betreiber des „Big Ben“ dürfen auf neue kostenlose Werbung hoffen.

 
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