Mittwoch, 19. Dezember 2018
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Typisches Bild aus dem Tittlinger Gemeinderat: Die CSUler (links) und ihre beiden Bürgermeister (Blauhemden) stimmen gegen SPD, Freie Wähler und Überparteiliche. (Photo: Köhler)
Freie Presse in Tittling

CSU-Gemeinderat stoppt BĂĽrgerblick-Verkauf

Tittling – Das Passauer Magazin Bürgerblick hat mit seinem dreisten Titel „Dorfmafia aus CSU und PNP“ in der Marktgemeinde ein kleines Erdbeben ausgelöst: ein Treffen der Fraktionschefs ist geplatzt, an Stammtischen wird erregt debattiert und im einzigen Zeitschriftenladen des Ortskerns wurde der Verkauf sofort gestoppt: der Inhaber ist ein CSU-Gemeinderat.

Der Beitrag prangert die Vetternwirtschaft um den CSU-Bürgermeister und die offenkundig einseitige Berichterstattung in der Heimatzeitung an. Denn der einflussreiche CSU-Ortsvorsitzende ist zugleich Geschäftsführer der „Passauer Neue Presse“(PNP), zuständig für das Verbreitungsgebiet von Passau bis Freyung (Donau Wald GmbH). Er zieht offenbar die Fäden der Berichterstattung.

Mit einer „Bürgerblick“- Leseprobe wurden 2.400 Haushalte von Tittling und Witzmannsberg über die derzeit spannenden Vorgänge im Gemeinderat informiert; das Monatsmagazin wurde zum Verkauf, wie in dem Flugblatt angekündigt, an den bekanntesten Zeitschriftenhändlers des Ortes geliefert. Die Seniorchefin hatte zugestimmt.

Unter Ladentheke versteckt

Wegen des schonungslosen Titels landete die Zeitschrift unter der Theke und wurde nur verkauft, wenn Interessenten hartnäckig nachfragten. Am zweiten Tag wurde der Verkauf völlig gestoppt, als der Ladeninhaber aus dem Urlaub zurückkam - er sitzt als CSU-Mitglied im Gemeinderat.

„Pornozeitschriften gibt es bei uns nicht“, nannte er als Beispiel seiner Entscheidungsfreiheit bei der Auswahl der Presseprodukte. Doch Bürgerblick ist bekanntlich jugendfrei und steht auf keinem Index.

Die Vorgänge erinnern an die Anfänge des Bürgerblick in Passau in den Jahren 2006 und 2007, als Tankstellen- und Kioskbetreiber auf Druck des damaligen Oberbürgermeisters die Annahme des Stadtmagazins verweigerten. Ein Edeka-Laden am Residenzplatz wurde von Rathausmitarbeitern mit Boykott bedroht, die Ehefrau des Oberbürgermeisters kündigte aus Protest einen Tankvertrag mit einer Shell-Station.

Ein Zeitschriftenhändler aus der Neue Mitte wurde damals per Gerichtsbeschluss dazu verpflichtet, das Blatt feil zu bieten. „Sie müssen ja nicht vorher lesen, was drin steht“, sagt der Richter bei der Schlichtungsverhandlung.

Bürgerblick-Anwalt Dr. Klaus Rehbock erklärte: „Pressefreiheit funktioniert nur, wenn auch das Recht auf Vertrieb garantiert wird."

Bürgerblick gibt`s ab morgen zweimal in Tittling: beim Edeka Hierl (Rothau) und Windorfer im Nettomarkt.

 
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