Donnerstag, 09. April 2020
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"Ein Stich und die Folgen" - so berichtete die Süddeutsche Zeitung.
Rufmord an Mannichl

"Da wird noch viel auf meinem RĂŒcken ausgetragen"

Die Süddeutsche Zeitung (SZ) hat um den Fall Mannichl heute „Sprengstoff“ gelegt. Sie tischt mit Berufung auf Kriminal-Experten Fragen auf, die geeignet sind, das bösartigste aller Gerüchte zu schüren: Der Messerstecher kommt aus dem Hause Mannichl oder - er war es sogar selbst! Doch der Stoff ist alt und ein Rohrkrepierer.

 „Frau Mannichl war´s!“, dieser Satz macht seit Jahresbeginn unter Journalisten die Runde. Feixend versteht sich. Nur in Münchner Kreisen wird er ernsthaft genährt. Zuletzt durch ein ominöses Schreiben mit einem gefälschten Briefkopf der Passauer Kriminalpolizei. Das Landeskriminalamt sucht gerade den Urheber, denn der Inhalt dient nur einem Zweck: das Opfer zu verunglimpfen.

Dieses Schriftstück gelangte auch in den Briefkasten der SZ. „Wir haben sofort erkannt, dass es eine Fälschung ist“, sagt eine Redakteurin.

Die Fantasie angeregt hat es auf jeden Fall.

„Man wird immer zweimal zum Opfer - erst durch die Tat, dann durch die Gerüchte“, hat Mannichl vor kurzem gesagt. Wie recht er damit behalten sollte.

Lesen Sie hier ein Interview mit Alois Mannichl, das der Passauer Journalist Hubert Denk heute führte und morgen in Auszügen exklusiv in der BILD-Zeitung zu lesen ist.

Herr Mannichl, haben Sie heute die Süddeutsche Zeitung schon gelesen?

Ich bin gerade dabei. Ich habe das alles erwartet, diese Fragen. Ich kann darüber nicht böse sein, aber es sind leider auch sachliche Fehler drin – und das ärgert mich
.

Haben die Ermittler Sie denn gefragt, ob Sie selbst oder jemand aus ihrer Familie…

Natürlich haben sie das gefragt, das ist auch richtig so und das gehört dazu. Ich kann denen keinen Vorwurf machen, die leisten einwandfreie Arbeit. Als Polizeibeamter weiß ich doch, wie so etwas läuft, ja laufen muss: Es könnte ja wirklich ein familiärer Streit gewesen sein. Natürlich wurde meine Frau angehört, mein Sohn genauso wie der Freund meiner Tochter.

In der SZ heißt es, erst nach der Übernahme durch das LKA seien ihre Kinder vernommen worden.


Das ist schlichtweg falsch. Sie wurden auch von der Kriminalpolizeiinspektion Passau schon befragt.

Es gibt auch eine falsche Darstellung bezüglich der Phantombilder und Zeichnungen?

Richtig, ich hab nie eine Tätowierung beschrieben oder eine Beschreibung für eine Phantomzeichnung abgegeben. Die Zeichnungen und die Phantombilder entstanden durch Zeugenaussagen aus der Bevölkerung (Anm. d. Red.: Verdächtige mit diesen Merkmalen, Aussehen sollen am Tattag im Ort gesehen worden sein).

Ich kann auch nichts dafür, dass ich den Täter nicht besser beschreiben kann. Es war schon dunkel, nur die Weihnachtsbeleuchtung brannte, und man ist auf so etwas doch nicht gefasst. Man kämpft um sein Leben, da merkt man sich keine Details.


Sie haben nur angegeben, der Täter war groß, Glatze und hatte einen Fleck - vom Staatsanwalt hieß es, Muttermal oder eine Tätowierung - am Hals. Skeptiker sagen, diese Beschreibung haben Sie sich nur ausgedacht, um den Rechten eine reinzuwürgen…

Als jetzt mal im Ernst, wenn ich so was erfinden würde, hätte ich es klüger gemacht. Zum Beispiel: Der Täter trug eine Nikolausmaske, das hätte wunderbar zur Zeit gepasst, er sprach sächsischen Dialekt und das Messer hätte ich natürlich nicht hinters Haus geworfen, sondern verschwinden lassen…

Die Wunde war so harmlos, sie wollten sich doch nur selbst verstümmeln, um es den Rechten in die Schuhe zu schieben…


Herr Denk! Sie kennen mich und wissen, für diese Burschen würde ich mir nicht einmal einen Kratzer zufügen, das sind die mir nicht wert.

Aber im Gutachten soll es doch heißen, die Verletzungen seien so harmlos wie bei einer Selbstverstümmelung.

Das ist doch der Wahnsinn! Wird mir jetzt zum Vorwurf gemacht, dass ich den Angriff abfangen konnte und er mich nicht mit voller Wucht traf? Wie bereits bekannt wurde, hatte ich das Glück, den Arm des Angreifers mit beiden Händen zu packen und nach unten zu drücken…

Und die Sache mit dem „Lebkuchenmesser“….

Dieses blöde Messer! Jetzt will ihn Ihnen mal sagen, wie das wirklich war. Der erste Fehler ist schon, dass dauernd von einem „Adventsbrauch mit Lebkuchenmesser“ die Rede ist. Sie müssen sich vorstellen, die Rechten haben sogar einen Brauchtumsforscher engagiert, der meine Nachbarn befragte, nur um meine Glaubwürdigkeit untergraben zu können.

Wie kam denn das Messer nun ans Fensterbrett?

Am 10. Dezember haben wir unser Adventsfenster geöffnet und waren mit der Bewirtung der Besucher dran. Wir haben eine Biertischgarnitur aufgestellt. Es gab Glühwein, Lebkuchen, Plätzchen und belegte Brote. Und so wie ich Tassen nach draußen getragen habe, weil man den Glühwein ja schlecht aus den Händen trinken kann, habe ich auch ein Messer zum Schneiden mitgenommen.

Ich erinnere mich noch genau, als ich den Tisch abräumte, ist es mir zu Boden gefallen. Ich habe es dann auf das Fensterbrett neben der Garage gelegt und, das ist leider so, dort vergessen. Da sind auch Tannenzweige am Fenster, die meine Frau dekoriert hat, vielleicht ist es da hineingerutscht und ich hab es nicht mehr gesehen.


Es lag dort die ganze Zeit?

Das Messer war am Samstag (Anm. d. Red.: das war der Tattag) noch mal Thema: Ich war mit meiner Frau beim Einkaufen in der Stadt, das sind wir an einem Laden vorbeigekommen und sie sagte: „Hier habe ich die Lebkuchen für die Adventsfeier gekauft!“. Da fiel mir plötzlich das Messer wieder ein und ich meinte zu ihr, wenn wir nach Hause kommen, erinnere mich daran, es hereinzuholen. Ich habe es wieder vergessen. Meine Frau glaubt noch, sie hat hingeschaut, aber nichts gesehen.

Die merkwürdigen Theorien gegen Sie kommen doch offensichtlich aus Münchner Kreisen.

Ich weiß nicht, ob es Kollegen sind, man hat ja im Leben nicht überall nur Freunde. Jedenfalls ist angeblich ein Schreiben mit einem gefälschten Briefkopf der Kriminalpolizeiinspektion aufgetaucht, das der Presse zugespielt wurde. Wer so etwas streut, ob es die Rechten sind, ich weiß es nicht.

Ich befürchte, das ist erst der Anfang, da wird noch viel auf meinem Rücken ausgetragen. Aber ich kann deshalb so gelassen bleiben, weil ich mir nichts vorzuwerfen habe.


Danke Herr Mannichl, alles Gute!

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Warum Opfer schlechte Zeugen sind


Herrn Mannichl wird in dem SZ-Beitrag auch vorgehalten, er müsse als erfahrener Polizeibeamter in der Lage sein, den Täter besser zu beschreiben. Aus eigener Erfahrung weiß der Autor, dass auch bei intensivem Nachdenken und Forschen in der Erinnerung, konkrete Bilder über Kleidung und Gesichter der Täter schwer abrufbar sind. Nach einem Überfall in den USA, bei dem ihm eine Kniescheibe zerschlagen wurde, konnte er die Räuber nur bruchstückhaft beschreiben, obwohl sie ihm längere Zeit gegenüber standen. Der Psychotherapeut Dr. Christan Lüdke aus Essen, der sich mit der Betreuung von Kriminalitätsopfern und Ausbildung von Polizeispezialeinheiten befasst, bestätigt diese Erfahrungen und erläutert die Ursachen.

 „Es beginnt mit der typischen Schrecksekunde, in der das Opfer realisiert, dass es bedroht wird. In diesem Moment werden Stresshormone und Opiate ausgeschüttet, die dazu führen, dass Denken, Handeln und Fühlen entkoppelt werden. Der Körper konzentriert sich automatisch nur mehr darauf, das Überleben zu sichern: Kämpfe, fliehe oder erstarre! Ein angeborener Schutzmechanismus. Auch ein geschulter Polizeibeamter kann sich dem nicht entziehen. Zu diesem Selbstschutz gehört es auch, dass das Erinnerungsvermögen ausgeblendet wird. Die schlimmsten „Dateien“, die zuvor entkoppelt wurden, werden gelöscht. Denn, stellen sie sich vor, sie müssten ein Leben lang die Fratze des Täters herumtragen, der sie angegriffen hat.
 
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