Manchmal müssen Schutzengel hartnäckig sein, um ans Ziel zu kommen.
Bauingenieur Christian B. (47) wohnt mit seiner Familie dort, wo das Rottal am gefährlichsten ist: an einem der noch unbeschrankten Bahnübergänge. „Immer wieder kommt es vor, dass unvorsichtige Autofahrer mit einem Rad im Gleisbett hängen bleiben“, erzählt er. Als er Montagabend nach Hause kam, war es wieder einmal soweit. Ein roter BMW stand zwischen den Andreaskreuzen quer. Der Motor heulte auf, aber der Wagen rührte sich nicht.
Der Familienvater wusste, dass jede Minute die Regionalbahn Mühldorf-Passau kommen kann. Anschieben half nichts und sein Versuch, die BMW-Insassen zum Aussteigen zu bewegen, scheiterte auch: Die Fahrerin und ihr Sohn waren betrunken und erkannten die Gefahr nicht.
"Als ich die Frau aus dem Auto zerren wollte, schubste sie mich zurück und verriegelte die Türen!", erzählt der verhinderte Helfer. "Ich bekam so eine Wut."
Da lief er ins Haus, griff sich eine große Taschenlampe und spurtete los. Er schaftte es auf dem Gleisbett etwa 200 Meter weit, bis zu einer lang gezogenen Kurve. Der Zugführer reagierte auf seine Lichtsignale und brachte den Personenzug, der hier mit etwa 70 km/h heranrollt, vor dem Hindernis zum Stillstand.
Um die schwer alkoholisierte BMW-Fahrerin und ihren Sohn kümmerte sich dann die Polizei. Blutentnahme, Führerschein weg, Strafanzeige.
BMW-Fahrerin Angelika K.: "Heute weiß ich, wie dankbar ich diesem Mann sein muss. Aber gestern habe ich mit meinem Sohn aus Frust getrunken. Ich weiß von gar nichts mehr". Mutter und Sohn, beide sind arbeitslos.