Wenn Leserreporter zu Fakern werden: Eine Tageszeitung in Voralberg (Österreich) hat die Polizei eingeschaltet, weil ihr ein falsches Foto untergejubelt wurde. Selbst die großen Agenturen und Blätter ließen sich blenden.Die falsche Meldung, dass sich US-Superstar Madonna für Dreharbeiten in Lech am Arlberg aufhält, druckten sogar seriöse Blätter wie
"Der Standard“ oder die größte Schweizer Boulevardzeitung
Blick. Kein Wunder: Sie lief auch über den Ticker der österreichischen Nachrichtenagentur
APA. Am 30. März ging bei den
Voralberger Nachrichten (VN) eine E-Mail der Leserin "Daniela Weiss" mit einem sensationellen Foto ein.
Madonna auf der Skipiste in Lech. „Der ausführliche Text, der dabeistand, klang glaubwürdig und zeugte von großer Kenntnis der lokalen Gegebenheiten“, sagt der stellvertretende Redaktionsleiter Michael Gasser. Seine Reporter griffen sofort zum Telefon, um in Lech zu recherchieren. Weniger Aufmerksamkeit verwendete man darauf, das Bild zu überprüfen. „Erst hinterher hat uns ein Grafiker darauf gestoßen, dass Madonnas Schattenwurf mit dem eines Skifahrers im Hintergrund nicht zusammenpasst.“
Bei der Recherche passte offenbar alles: Der Bürgermeister hatte zwar von den prominenten Gast noch nichts gehört. Aber Madonna meldet sich kaum im Rathaus an. Das benannte Hotel verwies auf seine Verpflichtung zur Diskretion. „Wir sagen grundsätzlich nichts über Gäste.“ Journalisten interpretieren so etwas gerne als Bestätigung.
So brachte die freche Fotomontage die Zeitungsente auf den Weg und tags darauf ruderten alle Betrogenen verzweifelt zurück: Es könnte ja auch ein verfrühter Aprilscherz gewesen sein.
VN-Vize Gasser findet den Fall gar nicht lustig. Weil die Redaktion nicht ermitteln konnte, wer sich hinter dem E-Mail-Absender verbirgt, bat sie heute die Polizei um Hilfe. Die will sich jetzt vom Internetanbieter Google, den die ominöse "Daniela Weiss" benutzte, die Daten holen.
Ein schwacher Trost: Madonna will irgendwann in nächster Zeit wirklich Lech für einen Videodreh besuchen. Leserfotos sind dann wohl kaum mehr gefragt.