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Klatschreporter Kürthy: Er nimmt, was er kriegen kann.
Unmut gegen Klatschreporter

"Warum haut dem K√ľrthy keiner aufs Maul ?"

Wenn eitles Jungvolk in Passau auf Partys geht, dann lässt es sich gerne zweimal feiern: Das erste Mal im Trubel der Tanzwirtschaft, anderntags auf einschlägigen Internetseiten und im Sonntagsblatt. Seit vergangenem Sonntag ist es mit der ungetrübten Lust am Posen und Prosten für die Kamera vorbei: Party-Fotos wurden von der "Am Sonntag" missbraucht, um einen fragwürdigen Beitrag zu bebildern: Zwei Blondinen müssen als Motiv herhalten, um einen Passauer DJ und Gastronom eines Selbstmordversuchs zu bezichtigen. "Warum haut dem Kürthy keiner aufs Maul?", fragen sich viele Wirte und Partygänger. Es spiegelt die Stimmung gegen die "Am Sonntag" wieder.

Der Beitrag, den Redaktionsleiter Stephan Kürthy nach tagelanger Recherche persönlich ins Blatt brachte, basiert auf einem Gerücht. "Ich bekam eine SMS und wollte der Sache nachgehen", sagt er. Klar muss er das. Kürthy gilt als Klatschkönig des Passauer Nachtlebens. Seine "Am Sonntag" zählt zu den meist gelesenen Blättern in der Region und hat zweifellos hohen Unterhaltungswert.

Doch diesmal stutzt der Sonntags-Leser: Was unter der Schlagzeile "Liebesdrama um Szene DJ!" steht, ist weder spaßig, noch zur Schadenfreude geeignet und schon gar kein Skandal, der die Öffentlichkeit interessieren könnte. Es ist ein geschmackloses Gewäsch, das im Grunde genommen nur dazu dient, drei unbescholtene Privatpersonen in den Schmutz zu ziehen.

Zielscheibe des Beitrages wurde Michael Zels, Geschäftsführer und DJ des Passauer Clubs Plan B. Er wird von Kürthy zum liebeskranken Trottel gestempelt, der sich die Pulsadern aufschneiden wollte. Es half ihm nichts, dass er gegenüber dem Redakteur beteuerte: "Absoluter Quatsch!".
Er war durch eine Glastür gerumpelt, trägt an der rechten Hand einen weißen Verband.

"Wenn die Polizei diesen Bericht ernst nimmt, könnte dem Betroffenen blühen, dass er wegen Selbstgefährdung vorsorglich in die Nervenklinik nach Mainkofen eingewiesen wird", sagt ein Passauer Rechtsanwalt.

So schlimm kam es nicht, aber der Schlag gegen den Gastronom wirkte auch so. "Mein Telefon stand nicht mehr still", klagt Zels. Gestern traf er sich mit seinem Chef, Szene-Gastronom Bernd Rose, um den Fall zu besprechen. Der gute Draht zur Sonntagszeitung scheint wichtiger zu sein als der geschmähte Geschäftsführer. "Wir werden über die Sache schnell Gras wachsen lassen", ließ Rose wissen.

Doch Zels bleibt nicht das einzige Opfer des Schmuddelstücks. Auslöser der angeblichen Selbstmordtragödie sind laut "Am Sonntag" zwei blonde Mädchen, die Format füllend mit Fotos präsentiert werden. "Ich hatte keine Ahnung, dass ich in so was hinein gezogen werde", sagt Nicole R.
Auch die abgebildete Tänzerin Andrea ist entsetzt. Ihr Job bei einer namhaften Autofirma steht auf dem Spiel. Beide Mädchen wollen auf Schmerzensgeld klagen.

Dies trifft auch Party-Fotograf Michael Grillhösl, von dem die Blondinen-Bilder stammen. "Mein Name steht dabei, aber ich wurde übergangen", entschuldigt er sich. Kürthy habe die Fotos ohne Rückfrage aus dem Party-Archiv genommen.

Es gibt keinen journalistischen Beweggrund für diesen Zeitungsartikel:
Es steht keine strafbare Handlung im Raum, es gibt keinen aktenkundigen Polizeieinsatz und die handelnden Personen sind alles andere als prominente Zeitgenossen. Was also hat Redaktionsleiter Stephan Kürthy wirklich bewogen?

"Dazu werde ich nichts sagen. Ich werde schon meine Gründe haben", druckste er herum. Er sucht nach Rechtfertigungen, will sich von Plan-B-Chef Rose ein Einverständnis geholt haben. Die Rechtsabteilung des Verlages habe den Beitrag geprüft und für tadellos befunden.

Ein mögliches Motiv

Kürthy sieht sich im Job gern als knallharter Boulevard-Mann, pocht auf Privilegien und ist privat alles andere als ein Kavalier: Als ihm Sabrina, eine sehr korrekte Kassiererin im "Plan B", den kostenlosen Eintritt verwehrte (er hatte seine goldene VIP-Karte vergessen), beschimpfte er sie vor wartender Schlange als "Schlampe" und einen farbigen Türsteher gleich mit dazu: "Du kannst ja nicht mal richtig deutsch!".

Das sind keine feinen Tatsachen über einen verantwortlichen Redakteur, aber sie geben Einblick in seinen Charakter. Fest steht: Geschäftsführer Michael Zels hat damals seine Mitarbeiter vor dem tobenden VIP-Gast Kürthy in Schutz genommen.
 
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